Leitbild

Kirchengeschichte wendet sich allen Erscheinungsformen des Christentums von seinen Anfängen bis zur Gegenwart zu. Der Schwerpunkt der am Institut geleisteten Forschung und Lehre liegt auf der lateinischen bzw. römisch-katholischen Tradition des Christentums. Dies geschieht in ökumenischer Offenheit für das Leben in den anderen christlichen Kirchen, für das wechselvolle Verhältnis zum Judentum und für die gemeinsame Geschichte mit dem Islam.

Gegenstand der Kirchengeschichte im theologischen Sinn ist die Kirche als das "durch die gegenwärtige Zeit pilgernde Volk Gottes, das zu Christus als Urheber des Heils und Ursprung der Einheit aufschaut" (Lumen Gentium 9). Indem die historische Dimension des Heilshandelns Gottes, das der Gemeinschaft der Glaubenden anvertraut ist und in ihnen fortwirkt, zur Sprache gebracht wird, bildet Kirchengeschichte einen wesentlichen Teil im Gesamt der Theologie.

Der vielfältigen Wirklichkeit der Kirche als Institution, Gemeinschaft und Reflexionsraum entspricht ein fachlich differenziertes Herangehen. Neben der traditionell gepflegten Ereignis- und Institutionsgeschichte berücksichtigt das Fach auch sozial- und mentalitätsgeschichtliche Zugänge und nimmt darüber hinaus Rücksicht auf die Theologiegeschichte, insofern darin maßgebliche Lebensvollzüge der Kirche zutage treten. Als historische Wissenschaft weiß sich die Kirchengeschichte der historischen Methode und dem Austausch mit den benachbarten historischen Disziplinen verpflichtet, deren Ergebnisse sie kritisch rezipiert und deren Fachdiskurse sie mit Fragestellungen aus dem theologie- und kirchenhistorischen Erkenntnisinteresse bereichert.

Als historische Disziplin innerhalb des theologischen Fächerkanons wird die Kirchengeschichte nicht müde, den Erfahrungsschatz der Kirche sowie historische Fakten in Erinnerung zu rufen, um Orientierung in der Gegenwart zu erleichtern. Dabei darf die Geschichte der Kirche nicht für kurzsichtige (kirchen-)politische Absichten verkürzt und instrumentalisiert werden, vielmehr gilt es, den je größeren Zusammenhang zu rekonstruieren, um im Reichtum der Überlieferung die Kontinuität zum apostolischen Ursprung ebenso herauszustellen wie die Anpassungsfähigkeit der Kirche an die sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen der jeweiligen Zeit und Umwelt. Die kritische Sympathie gegenüber dem Gegenstand des Faches gebietet es, Licht- und Schattenseiten dieser langen Geschichte gleichermaßen zu benennen, nicht nur aus Verpflichtung zu historischer Wahrhaftigkeit, sondern auch aus Loyalität zum pilgernden Gottesvolk.

Schwerpunkte des Instituts in Forschung und Lehre

Die Forschungsschwerpunkte der Mitglieder des Instituts liegen einerseits auf der Kirchen- und Theologiegeschichte des Mittelalters, andererseits auf Themen der österreichischen Kirchengeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei tritt epochenübergreifend ein Interesse an der Papst- und Konziliengeschichte zutage, wie auch eine besondere Berücksichtigung der Geschichte der Seelsorge, der Priesterausbildung und des theologischen Unterrichts in verschiedenen historischen und regionalen Kontexten.

Durch die Zusammenarbeit mit dem fakultären Forschungsschwerpunkt "Theologische Mediävistik" sieht sich das Institut in besondere Weise auch der Theologie- und Frömmigkeitsgeschichte des Mittelalters verpflichtet. Dieser Verantwortung für das theologische Erbe kommt das Institut mit gezielt ausgewählten Lehrveranstaltungen aus dem Bereich der historischen Theologie nach, womit bewußt eine Brücke zu den systematischen Fächern geschlagen wird.

Weitere Informationen zu den konkreten Projekten der Institutsmitglieder finden sich unter der Rubrik Forschung.