Heinrich von Langenstein
Biblical Hermeneutics and Exegesis in the Late Middle Ages: The Introductio in sacram scripturam of Henry of Langenstein (†1397)
FWF-Projekt: P 31893
Laufzeit: 01.12.2018 - 30.11.2021
Projektleiter:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Prügl
Projektmitareiter:innen:
Dr. Khrystyna Fostyak
Dr. Jennifer Kostoff-Kaard
Die Geschichte des theologischen Unterrichts an der Universität Wien begann im Jahr 1384. Damals berief Herzog Albrecht III. den berühmten Pariser Professor Heinrich von Langenstein nach Wien und trug ihm die Errichtung einer theologischen Fakultät an der 20 Jahre zuvor gegründeten Universität auf. Langenstein schrieb nicht nur die Statuten und organisierte den theologischen Studienbetrieb, sondern begründete mit seinem anspruchsvollen Unterricht auch den guten Ruf der Wiener Universitätstheologie.
Theologie unterrichten im Mittelalter war gleichbedeutend mit Auslegung der Bibel. Eine Besonderheit des theologischen Unterrichts im spätmittelalterlichen Wien waren umfangreiche, ja monumentale Kommentare zu Büchern der Bibel. Langenstein machte den Anfang. Er legte über Jahre hinweg, von 1385 bis zu seinem Tod 1397, das Buch Genesis aus, schaffte in dieser Zeit aber nur die ersten drei Kapitel, die von der Erschaffung der Welt und des Menschen bis zum Sündenfall erzählen. Bei seinem Tod war der Kommentar auf ein mehrbändiges Werk angewachsen, worin sich der Langenstein zu zahlreichen theologischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Themen äußert.
Bevor er aber dem eigentlichen Kommentar des ersten Buchs der Bibel begann, hielt er eine ganzjährige Vorlesung (vermutlich im akademischen Jahr 1385/86), die die Grundlagen der Bibelauslegung thematisierte. Diese Einleitungsschrift (Introductio in sacram scripturam) ist dem Genesiskommentar als umfangreicher Prolog vorangestellt.
Weder der Genesiskommentar Langensteins noch seine Einführung in die Hl. Schrift wurden jemals gedruckt. Die hohe Anzahl von Handschriften, die diese Texte enthalten – an die hundert – zeugen davon, dass der Text im Mittelalter intensiv gelesen wurde und einen starken Einfluss auf andere Theologen in Wien und darüber hinaus ausübte.
Das Forschungsprojekt will die lange Abhandlung Langensteins zur Schriftauslegung kritisch edieren und die darin behandelten Themen zu Schrift, Schriftauslegung, Bibeltext, und Bibelübersetzungen untersuchen und würdigen. Da die Introductio eine der längsten Abhandlungen zur Bibelauslegung darstellt, die im Spätmittelalter verfasst wurden, lässt das Projekt wichtige Erkenntnisse zu dem Wissensstand und den Entwicklungen der spätmittelalterlichen Bibelexegese erwarten, die bis heute unter dem negativen Urteil von Humanismus und Reformation zu leiden hat.
Daneben wird das Projekt die gesamte Überlieferung des Genesiskommentars Langensteins sammeln. Eine Untersuchung aller bekannten Handschriften wird nicht nur Kriterien für den ältesten und besten Text der Introductio liefern, sondern auch verlässliches Datenmaterial zur Verfügung stellen, um die Reichweite und den Einfluss dieses eindrucksvollen Werks einschätzen zu können.
Durch das Handschriftenstudium werden auch Rückschlüsse auf den Vorlesungsbetrieb an der jungen Universität Wien am Ende des 14. Jahrhunderts möglich sein.
Transkription der “Lectura”
Verzeichnis der Handschriften